Weltkrieg Fahrrad

Wie sich der Erste Weltkrieg auf die Fahrradbranche auswirkte

Kurz nach diesen Rekordjahren begann der Erste Weltkrieg, der auch für die neutralen Niederlande schwer wiegende Folgen mit sich brachte. Die wirtschaftlichen Probleme wurden immer größer, vor allem durch die stagnierenden Gummilieferungen aus der Kolonie Indonesien.

Die ausbleibenden Lieferungen führten schon bald zu einem Exportverbot für Fahrradreifen, da Gummi immer knapper wurde, und es nicht zuletzt auch zu militärischen Zwecken überall nachgefragt wurde. Der Außenhandel wurde vor allem ab 1917 stark behindert, als die Grundstoffe für die Produktion zur Mangelware wurden.

Wie stark sich diese Entwicklungen auf die Fahrradindustrie auswirkten, lässt sich anhand von Preislisten aus dem Jahr 1919 belegen, als der Krieg schon vorbei war: die Fahrradhändler verkauften ihre Ware weiter, doch vermerkten sie, dass ihre Preise ohne Reifen gelten.


 



Ein Jahr später, als die Wirtschaft sich langsam vom Krieg erholt, geben dann auch alle Händler stolz an, dass sie „Fahrräder mit Reifen“ verkaufen.

Dennoch war nach dem Kriegsende am 11. November 1918 nicht unbedingt eine goldene Zeit für Fahrradproduzenten in den Niederlanden. Schon bald murrte die Fahrradbranche über die Flut deutscher Importräder, die sich auf dem niederländischen Markt breit machte.

Diese Räder wurden von deutschen Firmen, die anstelle der inflationären Mark harte Gulden wollten, zu Niedrigstpreisen auf den niederländischen Markt geworfen; ein Umstand, der sich wirtschaftlich für die Niederlande natürlich nur negativ auswirken konnte.

Insgesamt spricht man in der Retrospektive allerdings davon, dass die niederländische Fahrradbranche vom Nachkriegsboom profitierte. In den Jahren zwischen 1919 und 1924 verdoppelte sich die Zahl der Fahrräder in den Niederlanden wieder einmal, bis beinahe die Zwei-Millionen-Marke erreicht war. Bis zu diesem Zeitpunkt ein absoluter Rekord in der noch jungen Geschichte des Fahrrads.

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