Die Sage über das Entstehen des Rosengartenmassivs und seines Namens

Dort, wo man heute das Rosengartengebirge findet, hatte einst der Zwergenkönig Laurin seine Burg. Er war ein zauberkräftiger Herrscher, dessen ganzer Stolz sein Garten voller roter Rosen war, die das ganze Jahr über blühen. Laurin besaß einen Gürtel, der ihm die Kraft von 12 Männern verlieh, und eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar machte.

Der Zwergenkönig ver­liebte sich in die blonde Prinzessin Simhild, und wollte sie bei sich auf seiner Burg haben. Kurzentschlossen entführte er sie und zwang sie, ihn zu heiraten. Fortan lebte Simhild mit Laurin auf der Burg des Königs im heutigen Gebirge.

Dietleib, der Bruder Simhilds, wollte diese Schmähung seiner Familie allerdings nicht hinnehmen und suchte nach einer Möglichkeit, seine Schwester zu befreien und sich an Laurin zu rächen. Er wandte sich an Dietrich von Bern, den auch anderweitig bekannten Sagenhelden, und konnte ihn überzeugen, ihn bei seinem Unterfangen zu unterstützen.


 



Dietrich und Dietleib zogen mit einer großen Gruppe von Kriegern ins Gebirge, um Simhild zu befreien und Laurin seiner gerechten Strafe zuzuführen. Der Zwergenkönig, zuerst zuversichtlich, bekam es mit der Angst zu tun, als die Helden ihm seine magischen Artefakte mit einer List entreißen konnten, ohne die er so leicht zu besiegen war wie jeder andere.

Laurin konnte sich nicht rächen, da er allein gegen die Krieger Dietrichs nicht siegen konnte, aber er konnte zumin­dest sein Reich unzugänglich machen. Sein Ziel war, dass die Sieger wenigstens mit leeren Taschen abziehen mussten.

Durch einen Zauber ließ er die Burg verschwinden, und der Rosengarten, der früher in der gesamten Region geleuchtet hatte, erbleichte. Doch Laurin hatte in seinem Ehrgeiz im Zauberspruch die Dämmerung vergessen, die noch immer ein mythisches Licht auf den eigentlich unsichtbaren Rosengarten wirft. So kommt es, dass man auch heute noch zwischen Tag und Nacht den Rosengarten leuch­ten sehen kann, voller rot glühender Rosen, die einmal der Stolz des Zwergenkönigs gewesen waren.

Auch wenn der Sieg der Helden Dietleib und Dietrich nicht umfassend gewesen war, hatten sie wenigstens Simhild aus den Fängen des hinterlistigen Zwergs befreien können, auch wenn dies das Erscheinungsbild einer gesamten Region auf immer verändert hatte.


 



Der historische Hintergrund dieser Sage ist wie so oft umstritten. Natürlich geht man nicht wirklich davon aus, dass das Gebirge früher einmal eine Burg gewesen ist, doch immerhin handelt es sich bei Dietrich von Bern um den historischen Gotenkönig Theoderich, der sein Volk während der Völkerwanderung in den Süden geführt hat.

Es ist anzunehmen, dass die Goten, die ebenso erstaunt über das wundersame Erscheinungsbild dieses Gebirges waren, wie der heutige Besucher; es durch die Verbindung mit ihrer Sagenwelt zu erklären versuchten, auch wenn dies wahrscheinlich erst nach dem Tode Theoderichs geschah. Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass auf diese Weise ein Kriegszug der Goten in das Gebirge beschrieben wird, der eventuell wirklich von einer Entführung hervorgerufen wurde. Wer allerdings die wirklichen Gegner der Goten waren, ist heute nicht mehr zu sagen.

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