Eine auf Grund ihrer Idylle sehr ungewöhnliche Darstellung des Letzen Abendmahls
Beim Cenacolo di Fuligno, im Kloster auf der Via Faenza, plätschert das Geschehen beinahe sentimental dahin; oft wurde diesem Werk ein gewisser Mangel an Ausdruckskraft unterstellt. Das Gemälde ist in vergleichsweise lyrischen Farben gehalten, und der gesamte Eindruck der Szene ist mehr idyllisch als tragisch.
Dennoch muss man es als falsch beurteilen, wenn man Perugino einen mangelnden Ausdruck unterstellt. Er betont deutlich den idyllischen Charakter des Letzten Abendmahls, auch wenn der Kontrast zur eigentlich peinvollen Ölbergszene nur sehr gering ausfällt.
Der Grund dafür ist wahrscheinlich in Peruginos Bestreben zu suchen, seinem Werk dennoch einen poetischen Gesamtzusammenhalt zu erschaffen, der wahrscheinlich durch starke Kontrastierung von Idylle und Tragik zerstört worden wäre.
Dass diese Gratwanderung anderen Künstlern gelungen ist heißt nicht, dass Perugino nicht durch sein Konzept dennoch ein interessantes Cenacolo erschaffen hat.
Interessant ist vor allem das Arrangement der Figuren auf dem Gemälde. Den Judas lässt er fast gemütlich aus dem Bild zum Betrachter hinüberschauen, wobei man einen leicht verräterischen Gesichtsausdruck dennoch erkennen kann.
Judas ist in diesem Werk der Mephistopheles, der zwischen gutem Willen und dem Zwang zur Untat hin- und hergerissen ist und der dieser Leidenschaft mit einem gewissen Selbstbewusstsein frönt. Eine Interpretation, die nachvollziehbar erscheint und die vor allem eine gewisse Schicksalsschwere in dieses eigentlich idyllische Gemälde bringt.
Ungewöhnlich ist auch, das Perugino im Hintergrund die schmerzvolle Ölbergszene sogar in eine zart poetische, typisch umbrische Landschaft hineinstellt. Ein Entschluss, der sicherlich nicht nur seinen Zeitgenossen ungewöhnlich erschien und der doch den symbolischen Charakter der Geschichte stark hervorhebt.
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