Palazzo Pitti
30. April, 2007 von Moderator
Der einstmalige Prunkpalast hat eine bewegte Vergangenheit
Ein wahrer Hort der Kultur ist der Palazzo Pitti, der für die Florentiner in der Vergangenheit trotz allen Lokalstolzes zu den ungeliebten Gebäuden gehörte. Dieses Gebäude war einer der gewaltigen repräsentativen Paläste der wohlhabenden Florentiner, der nicht nur den einfachen Leuten ihren Klassenunterschied mehr als deutlich klarmachte, sondern der auch während seines Baus mehr als große Unannehmlichkeiten mit sich brachte.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich dieser Palazzo zum größten Gebäude der Stadt.
Seine Geschichte ist interessant und außergewöhnlich, ebenso wie der heutige Zustand des Gebäudes: der Mammutbau beherbergt heute mehr als ein halbes Dutzend unterschiedlicher Museen und Sammlungen und ist damit eines der wichtigsten kulturellen Zentren der Stadt.
Dabei ist es Ironie des Schicksals, dass 1549 das enorme Grundstück ausgerechnet an die Medici-Familie verkauft wurde, die es natürlich zuerst für ihre eigenen Zwecke nutzte. Eleonora da Toledo, erste Frau des Großherzogs Cosimo I., suchte und fand hier eine neue Bleibe.
Auch wenn die Familie zuerst angestrebt hatte, Eleonora den Palazzo Vecchio anzubieten, ließ sich die adlige Dame nicht davon abbringen, in den Palazzo Pitti einzuziehen. Statt im Palazzo Vecchio richtete sie sich hier die neue Bleibe nach ihren Vorstellungen ein.
1560 begann Ammanati den Bau des imposanten Ehrenhofs, der direkt an das Gebäude angeschlossen ist und der seine gewaltigen Ausmaße imposant unterstreicht. Als Florenz vorübergehend Hauptstadt des vereinten Italiens war, bewohnte König Vittorio den Palast. Dies war zwischen 1865 und 1871 der Fall, als Florenz davon träumte, nicht nur die führende Stadt in der Toskana zu sein, sondern sogar dem ewigen Konkurrenten Rom den Rang abzulaufen. Doch schließlich hatte Rom, wie beinahe immer, die Nase vorn. 1919 ging der Palazzo Pitti in den Besitz des Staates über.
Besonders aufsehenserweckend ist auch der Platz, der sich vor dem Palast erstreckt. Er wurde unter der Familie Pitti angelegt und ist der größte Platz vor einem Florentiner Privatbau. Die wohlhabende Familie Pitti war so darauf bedacht, sich mit diesem Platz ein repräsentative Denkmal zu setzen, dass sie gerne in Kauf nahm, dass eine Reihe von Privathäusern abgerissen werden mussten, damit ihr Platz die gewünschten Ausmaße annehmen musste. Daher ist der Palazzo Pitti für die Florentiner auch immer ein wenig ein Symbol für die teils sehr ignorante Oligarchie der Vergangenheit.
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