Michelangelos Werke
9. April, 2007 von Moderator
Weshalb die Grabkammer der Medicifamilie nicht vollendet wurde
Trotz der meisterhaften und ehrerbietigen Darstellung liegt auch auf diesen Figuren der Hauch der Verdrossenheit, der typisch ist für diese Grabkammer. Nicht aber, so kann man in Florenz leicht erfahren, für jede Kammer dieser Art.
Dies ist zurückzuführen auf geschichtliche Entwicklungen zur Zeit der Entstehung der Werke, die dem Künstler nahe legten, wie zu aller Zeit von einer drohenden und alles umwälzenden Veränderung auszugehen.
So spiegeln alle vier Akte die aufgewühlte Seele ihres Schöpfers wider, der von Unsicherheit und Zweifeln durchsetzt war. Sie sind ein lebendiger Ausdruck seines Aufruhrs gegen die Unterdrückung in den Krisenjahren von Florenz, die zum Verlust der Freiheit und Unabhängigkeit der Stadt führten und die sich wenig erstaunlicherweise mit dem Setzen eines so großen Denkmals überschnitten.
Dieser Ausdruck ist auf den Figuren leicht zu lesen: die Männer mit ihren absichtlich nur roh gehauenen, gespannt wirkenden Gesichtern drücken Anspannung und Schicksalsschwere aus, während die Frauen mit dem Ausdruck von Vergänglichkeit und Verdrossenheit den Zweifel in sich tragen.
Wenig erstaunlich ist dieser Umstand deshalb, weil die Würdigung der Familie Medici im 16. Jahrhundert erschaffen wurde, als sich Florenz eventuell nicht mehr in seiner alten Machtposition behaupten konnte; weshalb man auf diese Weise alte Tugenden und altes Glück erneut beschwören wollte.
So gab Giulio de Medici, der spätere Papst Clemente VII., Michelangelo 1521 den Auftrag, die Kapelle zu gestalten. Allerdings konnte der Meister sein Werk nicht vollenden, ehe Giulio starb. Nach seinem Tod aber zog der Künstler 1534 nach Rom, wozu er aus verschiedenen Gründen gezwungen war.
So kam es zur bitteren Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Lorenzo il Magnifico und sein Bruder Giuliano, die der Onkel und der Vater von Clemente VII. waren, kein eigenes Grabmal in der Kapelle haben. Michelangelo entwarf zwar eine schlichte Grabplatte für diese beiden Familienmitglieder, doch konnten die Arbeiten an den Grabmälern nicht vollendet werden.
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