Liechtenstein Kultur
19. Februar, 2007 von Moderator
Wodurch sich Kultur und Mentalität der Liechtensteiner auszeichnen
Auch wenn Liechtenstein in vielen Beziehungen unserem heimischen Kulturkreis sehr verwandt erscheint, zeichnet sich das Land doch durch die einzigartige, interessante Mentalität der Menschen aus, die es bewohnen. Liechtensteiner sind, allein schon bedingt durch die Struktur ihres Landes, typischerweise keine Stadtmenschen, sondern fühlen sich auf die eine oder andere Art immer mit ihrer Gemeinde, ihrer Heimat verwurzelt.
Man wird in diesem Land kaum auf die distanzierte, in vielen Beziehungen aber auch nicht unangenehme Anonymität einer Großstadt stoßen, nicht zuletzt, weil kaum eine Siedlung im Land wirklich die Größe eines deutschen Dorfes überschreitet. Sicherlich, in einem 5.000-Einwohner-Ort kennt nicht jeder jeden, wie man es einem Dorf normalerweise gern unterstellt, aber die Bindung der Menschen untereinander ist dennoch weitaus intensiver, als man es auf Deutschland in vielen Teilen des Landes kennt.
Dabei muss man den Liechtensteinern allerdings klar lassen, dass sie trotz dieser angenehmen Seiten des Dorflebens seine teilweise bedrängenden Seiten nur sehr wenig hervorkehren. Die Gemeinschaft, die man in den Siedlungen des Landes vorfindet, ist typischerweise offen für jeden Bewohner, drängt sich aber nur wenig auf.
Viele Menschen, die in einer dörflichen Gegend in Deutschland aufgewachsen sind, beklagen die Tatsache, dass man in so einer relativ kleinen Gemeinschaft schnell zum Außenseiter abgestempelt wird, wenn man nicht den Vorstellungen der Menschen innerhalb der Gemeinde entspricht.
Aber Liechtenstein besticht in diesem Zusammenhang nicht zuletzt durch eine erstaunliche Toleranz, die wahrscheinlich noch darin begründet ist, dass die Gemeinschaften sich nicht bedroht fühlen müssen, denn es gibt keine Alternative zu diesem Leben in Dorf oder höchstens Kleinstadt, weshalb man in diesem kleinen Staat auf eigentümliche Weise selbstbewusster mit dem Thema umgeht.
In Deutschland zum Beispiel kennt man seit dem späten Mittelalter oder der frühen Neuzeit die Tendenz zu Urbanisierung der Gemeinschaften. Ein immer größerer Teil der Bevölkerung wählte im Laufe der Jahrhunderte ein städtisches Leben, eine Entwicklung, die in Liechtenstein beinahe völlig ausblieb. Auch wenn man hier die Größenverhältnisse schlicht und einfach anders gewichtet und Vaduz eben doch irgendwie als Stadt sieht, ist die Rolle dieser kleinen Städte anders als in Deutschland.
Natürlich definiert sich das Gemeinschaftsleben in Liechtenstein nicht nur durch das große Merkmal dörfliches Leben. Auch wenn Liechtensteinern dieser Aspekt ihres Landes sehr wichtig ist, hat er vergleichsweise wenige Auswirkung auf ihre Mentalität. Diese wird vielmehr durch einen gewissen Stolz auf die Leistungen seines Landes bestimmt und auch durch Stolz auf die Sonderrolle, die das Fürstentum in vielen Beziehungen einnimmt.
Liechtenstein unterscheidet sich in so vielen Beziehungen von typischen westlichen Industrieländern und hat es doch in der Vergangenheit immer recht leicht geschafft, mit dem Wohlstand dieser Staaten mitzuhalten. Wo man in typischen Ländern dieser Art eine starke Arbeitslosigkeit in Zeiten der Rezession kennt, herrscht in Liechtenstein normalerweise Vollbeschäftigung; und wo sich diese Länder auf ihre starke Industrialisierung berufen, tritt doch Liechtenstein als am stärksten industrialisiertes Land der Welt hervor, dem man dieses Charakteristikum aber so gar nicht ansieht.
Es ist durchaus eine Tatsache, dass die Bewohner des Landes eine gewisse Befriedigung dadurch empfinden, dass sich ihr Land auf so besondere Weise hervortut, auch wenn es mitunter zu den Pygmäenstaaten gezählt wird, und man kann diesen Mut eines Davids gegenüber einem Goliath irgendwie auch durchaus verstehen.
Dieser Stolz wirkt sich allerdings nicht besonders auf die Gastfreundlichkeit der Menschen in Liechtenstein oder ihre Weltoffenheit aus. Es käme einem typischen Liechtensteiner nicht in den Sinn, diesen unsichtbaren Wettstreit auf einen Besucher seines Landes auszudehnen, sondern vielmehr ist es die Art der Menschen dieses Landes, sich Fremden gegenüber von ihrer besten Seite zu zeigen und ihnen offen, freundlich und tolerant gegenüberzutreten.
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