Kultur Frankreich

Frankreich und die Kultur

Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich sind – ob der zentralen Lage der beiden Länder in Mitteleuropa und ihrer direkten Nachbarschaft – in vielen Beziehung erstaunlich groß. Natürlich muss man sich keine Sorgen machen, wie in einem arabischen oder afrikanischen Land auf grundsätzliche kulturelle Unterschiede zu stoßen – allerdings ist die Mentalität von Franzosen und Deutschen in der Tat einigermaßen unterschiedlich.

Ohne sich hier der gängigen Klischees zu sehr bedienen zu wollen kann man sagen, dass die meisten Franzosen offener und kontaktfreudiger sind, als wir es in Deutschland gewohnt sind, natürlich vor allem in den ländlicheren Gegenden.

Reisende, die Deutschland und Frankreich als Ausländer besucht haben, äußern oft die Ansicht, dass die Menschen in Deutschland in den Dörfern des Landes jeden Fremden misstrauisch beäugen, während sie in Frankreich eher neugierig schauen.

Diese Charakterzug gilt allerdings hauptsächlich für die teilweise noch sehr intakten Dorfgemeinschaften und für die kleineren Städte in der Provinz des Landes.


 



In den Metropolen ist Frankreich ebenso wie viele andere westliche Industriestaaten von einer gewissen Anonymität, von starker Individualität und gleichzeitig einer kühlen Distanziertheit geprägt, die nicht immer das Maß annimmt, welches man aus deutschen Großstädten kennt, aber dennoch spürbar ist.

Abgesehen von dieser Mentalität sind die Unterschiede aber teilweise immens: Franzosen sind normalerweise sehr patriotisch, lieben ihre eigene Sprache, ihre Lieder, ihren Wein und ihr Brot und halten mit dieser Einstellung meist nicht besonders hinter dem Berg – Charakterzüge, die vielen Deutschen sehr fremd sind und die ihnen auch nicht sehr nahe liegen.

Frankreich sieht sich selbst als ein Land, welches Europa maßgeblich geprägt hat - nicht zuletzt durch Charlemagne. Aber auch durch die anderen teilweise gewaltigen geschichtlichen Entwicklungen, die ihren Ursprung in Frankreich haben, empfinden Franzosen einen gewissen Stolz auf ihr Land, der teilweise erhebliche Züge annehmen kann.

Man ist stolz auf die Kultur, die man hervorgebracht hat, und auf alle Bereiche, in denen Frankreich noch immer Spitzenleistungen im Vergleich zum Rest der Welt erbringt: bei der Herstellung von Wein wie beim Trinken desselben, in den hohen Küchen der Welt, bei der Mode, und nicht zuletzt beim französischen Film.

Sicher, Hollywood erwirtschaftet größere Summen – aber das ist den französischen Filmemachern, die aus Überzeugung Filme mit dem besonderen Charme dieses Landes produzieren, aus Überzeugung egal.


 



Andere hingegen werden von den Größen des französischen Films als Überläufer betrachtet. Filmemacher, die Mainstream-Produktionen nach amerikanischem Vorbild herstellen, erfreuen sich zwar auch beim französischen Publikum einer gewissen Beliebtheit, doch ist ihr Ruf unter Kollegen wenigstens innerhalb von Frankreich vorerst dahin.

Manche Schauspieler beispielsweise, die es geschafft haben, in Amerika Fuß zu fassen und die dort einige einträgliche Filme gemacht haben, werden am Ende mit offenen Armen wieder in Frankreich aufgenommen - wenn sie nicht den Fehler machen, als Bittsteller zurückzukehren. Frankreich ist stolz, und das ist man sogar in seinen Filmen.

Doch lässt sich die Kultur und die Mentalität der Menschen natürlich nicht allein anhand solcher Eigenschaften beschreiben. Schon seit langer Zeit ist Frankreich geprägt von einer vorwiegend ländlichen Kultur, und auch wenn in den letzten Jahrzehnten große Städte wie Paris und Marseille zunehmend an Bedeutung als Lebensraum gewonnen haben ist es noch immer die Provinz, die das Herz eines Franzosen höher schlagen lässt. Dieser eigentümliche Charakterzug drückt sich in dem urfranzösischen Mythos der „Rückkehr in die Provinz“ aus, den man in vielen Filmen zitiert sieht, den man allerdings als Deutscher oft nicht recht erfassen kann.
Für uns ist „das Land“ zu klein, als dass wir es mit solchen Mythen bedenken könnten – es gibt nicht mehr viele Dörfer, aus denen man in die große Stadt aufbrechen und zurückkehren kann.

Für Franzosen aber ist die Provinz ein derart wichtiger Lebensraum, dass man überhaupt nicht vergessen darf, dass der Traum gerade vieler junger Franzosen in der Tat in Paris liegt.

In Frankreich ist „provinziell“ kein negatives Adjektiv, sondern ein Wort, welches man mit einem ursprünglichen Lebensstil, mit Freiheit und Gemeinschaft verbindet.

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1 Kommentar zu “Kultur Frankreich”

  1. am 25. Jul 2007 um 08:32Paule_77

    Die Mentalität der Franzosen ist wirklich eine andere. Die obengenannten Charakterzüge, wie etwa die Offenheit der Bevölkerung, treffen definitiv zu. Reist man durch Frankreich, kann man sich sicher sein, dass es einem nicht sonderlich schwer fallen wird, neue Kontakte knüpfen zu können.

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