Kubanische Kultur
7. Dezember, 2006 von Moderator
Wodurch Kubas Kultur dominiert wird und woraus sie hervorging
Die kubanische Kultur ist ein interessantes und einzigartiges Konglomerat aus afrikanischen, amerikanischen und europäischen Einflüssen und ist wahrscheinlich gerade ob dieser Vielfältigkeit so eigenständig und interessant. Das Land blickt auf eine im Vergleich zu Europa recht kurze verschriftete Geschichte zurück, hat aber in dieser Zeit eine interessante und vielseitige Entwicklung durchgemacht. Die Kolonialisierung hat ebenso ihre Spuren hinterlassen wie der Sozialismus, und so beschwören mondäne Prachtbauten in den kubanischen Zentren den Glanz vergangener Tage herauf, während sie mancherorts direkt neben den nüchternen Auswüchsen der Städteplanung des Sozialismus stehen.
Architektonische Meisterwerke in Jugendstil, Barock und Neoklassizismus sind nicht selten und stellen interessante Ziele für eine Besichtigung oder einen Ausflug dar, doch findet man sie nicht immer nur inmitten der historischen Stadtkerne eines Gebietes, denn die interessanten Zeitzeugen in Kuba sind durchaus auch einmal inmitten eines nüchternen Neubaugebietes zu finden, nachdem die Regierung im Sozialismus beschlossen hatte, eine Erweiterung der Stadt rund um ein kolonialistisches Herrenhaus vorzunehmen.
Somit praktizieren die kubanischen Behörden einen sehr zwiegespaltenen Umgang mit den historischen Wurzeln das Kolonialismus: einerseits sind sie ihnen sehr wichtig ob ihres touristischen Nutzens, doch kannten sie in der Vergangenheit oft auch keinen besonderen Schutz für die architektonischen Meisterwerke dieser opulenten Zeit, wenn es galt, der sozialistischen Wirtschaft Rechnung zu tragen.
Beide geschichtlichen Wurzeln des Landes sind, so widersprüchlich sie auch sein mögen, Teil der kubanischen Identität und sollten als solch von den Besuchern gewürdigt werden.
Kuba ist aber auch ein sehr armes Land, eine Tatsache, die meist durch die besondere Lebensfreude der Kubaner etwas entschärft wird, zumindest in den Augen der Touristen, die dieses Land besuchen. Es ist nicht immer einfach, sich ein wirkliches Bild des Lebens in Kuba zu machen, zumal man auf der Perle der Antillen einen sehr ambivalenten Umgang mit dem Tourismus an den Tag legt.
Einerseits gilt seine Entwicklung und Förderung als erklärtes Staatsziel, doch soll diese Entwicklung die kubanische Kultur nicht verfälschen und gleichzeitig auch die Armut des Landes nicht zu sehr präsentieren, damit die Insel touristisch Attraktiv bleibt; leider ist es ein Erfahrungswert, dass arme Länder zwar ein interessantes Reiseziel für Touristen mit geringem Reisebudget sind, dass sie aber gleichzeitig meist von diesen Besuchern nicht besonders respektiert werden.
Daher versucht man in Kuba eine interessante, oft aber auch leicht kontraproduktive Gratwanderung: weite Teile der Insel werden von den Touristen einigermaßen abgeschottet, während gleichzeitig eine Subkultur in den touristischen Zentren präsentiert wird, die mit dem Leben auf Kuba nicht viel zu tun hat.
Damit man sich ein Bild von der Armut Kubas machen kann, sollte man sich einmal die Einkommensverhältnisse der durchschnittlichen Kubaner vor Augen führen: der Verdienst liegt bei ihnen meist nur zwischen 10 und 20 Dollar, während sie gleichzeitig auf diese Währung angewiesen sind: alle Waren jenseits der Grundnahrungsmittel gibt es auch für Kubaner nur gegen Dollar, während die Preise für diese oft ebenfalls lebensnotwendigen Dinge wie Kleidung, und Hygienemittel mit denen in Deutschland zu vergleichen sind, unter anderem weil Kuba viele dieser Waren importieren muss.
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