Geschichte Niederlande
8. August, 2007 von Moderator
Vom Beginn der Niederlande, als das Heilige Römische Reich zerfiel
Wie in vielen anderen modernen Staaten weiß man auch in den Niederlanden nicht viel über die Frühgeschichte dieses Landes. Diese liegt, durch die geringe Anzahl wichtiger archäologischer Funde bedingt, weitgehend im Dunkeln, so dass man zwar einige gängige Thesen, aber kaum wirklich festes Wissen über die Prähistorie der Niederlande kennt.
Die Geschichtsschreibung der Niederlande beginnt im wesentlichen im Jahr 843 nach Christus, als das Frankenreich Karls des Großen geteilt wurde. Unter der Herrschaft des legendären Kaisers, der sich zu großen Teilen auf römische, gleichermaßen aber auch auf fränkische Wurzeln berief, war in Europa ein mächtiges Großreich entstanden, dass aber jenseits des Todes von Karl keinen langen Bestand haben sollte, das aber die Region der heutigen Niederlande umfasste.
Der unaufhaltsame Aufstieg Karls hatte ihm den Ruf eines mächtigen Herrschers gebracht, der aber Zeit seines Lebens von einem inneren Kampf geprägt war, der eigentlich so gar nicht zu dem Bild passt, dass die Kirche mit diesem „Missionar Europas“ gern erwecken wollte. Karl zweifelte an der Richtigkeit mancher Schritte, die er in die Wege geleitet hatte, und nicht umsonst berichtet man, dass einer seiner engsten Freunde eigentlich einer seiner Feinde war: der Sachsenherzog Widmkind, der Anführer des sächsischen Widerstandes in der Region des heutigen Dortmund.
Diese Tatsache, die nebensächlich erscheinen mag für die Geschichte der Niederlande, war aber gleichzeitig der Schlüssel für die Teilung des Reichs im Jahr 843. Karl der Große, der bereits 814 verstarb, starb im Streit mit seinem Sohn Ludwig, der später in die Geschichte als der Fromme eingehen sollte.
Chronisten berichten, dass Ludwig Zeit seines Lebens unter dem unbarmherzigen Vorbild seines Vaters gelitten hat; so nutzte er gern jede Möglichkeit, die sich ihm bot, um sich aus dem Schatten von Carolus Magnus zu lösen.
Nach seinem Tod war dies ein einfaches Unterfangen: Karl war bekannt als frommer Mann, doch hatte er im Laufe seines Lebens viele Mätressen gehabt und hatte die letzten Jahre seines Lebens sogar mit einer Heidin verbracht, der er, entgegen seinem sonstigen Vorgehen, den christlichen Glauben nicht aufzwingen wollte.
Ludwig begann gezielt, die Integrität seines Vaters anzugreifen, und bald gelang ihm dies auch; so konnte er sich als frommer Kaiser des Frankenreiches leicht vom mächtigen, aber scheinbar unmoralischen Patriarchen Karl lösen.
Allerdings war Frömmigkeit allein kein Mittel, um ein Weltreich zu regieren. Durch den Tod Karls des Großen kehrten die Feinde an die Grenzen des Frankenreichs zurück, und die militärische Macht, die einmal Europa beinahe vereint hatte, zerfiel unter der Hand Ludwigs, der mehr seinen eigenen Ruf als das Wohlergehen seines Reiches im Sinn hatte.
Innerhalb von dreißig Jahren war von Karls Reich nur noch vergleichsweise wenig übrig; man hatte es zwar nicht durch Eroberungen verloren, doch konnte man es gegen die Raubzüge der immer dreister werdenden Wikinger nicht mehr verteidigen. Die Teilung des einstmals gewaltigen Reiches schien unausweichlich.
Mit dieser Teilung des Frankenreiches fielen die Gebiete südlich der Schelde an Frankreich, die späteren Niederlande an das fränkische Mittelreich Kaiser Lothars. Somit war das vereinte fränkische Reich, das später mit dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen identifiziert werden sollte, Geschichte.
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