Essen Südtirol
20. Dezember, 2006 von Moderator
Durch welche Einflüsse die Südtiroler Küche geprägt wurde
Südtirol war für viele Jahrhunderte ein kultureller Schmelzpunkt für verschiedenste Einflüsse. Jenseits des Brenners lag Österreich, das Reich der Habsburger, das für mehr als 500 Jahre die Oberherrschaft über die Dolomitenregion innehatte; im Süden Italien, das nicht nur durch intensive Handelskontakte, sondern später auch durch freiwillige und unfreiwillige Handelsbeziehungen eine wichtige Rolle in den Dolomiten einnahm.
Schließlich noch Tirol, die ehemalige Grafschaft, die mal mehr, mal weniger kulturell prägend wirken konnte, die aber vor allem ein gutes Stück regionale Identität für die Bewohner der Dolomiten und vor allem für die Südtiroler bedeutet.
Durch diese zahlreichen Einflüsse, zu denen noch der kulturelle Austausch durch die wichtige Handelsposition der Dolomiten kommt, entstand auch in den Küchen der Bewohner eine ganz eigene Kultur.
Die Küche Südtirols ist heute eine ganz spezielle Verbindung der Tiroler, der Wiener und der italienischen Küche, wobei der österreichische Einfluss noch eindeutig aus dem vorigen Jahrhundert kommt. Aus diesen drei teilweise sehr unterschiedlichen Einflüssen hat sich ein Konglomerat gebildet, das die eigentlichen Widersprüche auf faszinierende Art zu verbinden versteht: das mediterrane und fruchtige der italienischen Küche geht über in die rustikale Bergküche der Tiroler, die auf beispiellose Weise verfeinert wird von den Kochkünsten Wiens um die Jahrhundertwende.
Diese abenteuerliche Mischung erhält vor allem durch die starke Betonung der tirolischen Eigenständigkeit ihren Wert, da sie ansonsten wahrscheinlich schlicht und einfach widersprüchlich erscheinen würde.
Zu diesem kulinarischen Kochtopf mit seinen Zutaten Tirol, Italien und Österreich kommen noch Südtiroler Weine, die oft so ganz und gar nicht dem Klischee entsprechen, das man sich im Allgemeinen über sie vorstellt. Der Kälterer See, der Referenzwein für Tiroler Weine, ist oftmals gar nicht so nah zu spüren bei diesen Weinen.
Der herbe Eisacktaler Silvaner und der elegante Pinot noir aus dem Unterland sind gute Beispiele für solche faszinierenden, hochindividuellen Weine mit einem Charakter, der weitaus mehr ausdrückt als nur ein Aroma.
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