Andrea del Castagno

Castagno: Das letzte Abendmahl mit Kreuzigung und Auferstehung

Künstlerisch gesehen ist sehr, sehr viel Zeit vergangen, wenn man das Werk von Castagno mit anderen, früheren Darstellungen des Letzten Abendmahls vergleicht. Er zeichnet sich vor allem durch eine beinahe geniale Beherrschung der Perspektive aus. Eine Kunst, die seine Vorgänger in dieser Form nur selten für sich einnehmen konnten.

Im „Cenacolo di Sant Apollonia“ hat Andrea del Castagno die Szenen von Kreuzigung, Kreuzabnahme und Auferstehung über dem Abendmahl platziert.

Er webt eine deutliche Verbindung zwischen dem schicksalsschweren letzten Abendmahl und dem weiteren Verlauf des Leben Christi. Beide Teile der großen biblischen Geschichte sind scheinbar unzertrennbar miteinander verwoben, und so versucht Castagno in seiner Darstellung gar nicht erst eine Distanz zu schaffen, die seiner Ansicht nach wohl nie bestanden hat.


 



Dennoch muss man zweifelsohne sagen, dass das Letzte Abendmahl selbst in all seiner Pracht und Dramatik das eigentliche Meisterwerk diese perspektivisch wegweisenden Künstlers ist.

Gemeißelt scharf konturierte Formen prägen das Bild, in dem die dramatische Spannung vor allem aus der Schärfe der einzelnen Elemente entsteht, und von Rot beherrschte Farben prägen dieses Abendmahlsfresko sehr deutlich.

Schrecken und Blut scheinen die Elemente zu sein, die Castagno mit dieser schicksalsschweren Stunde verbunden wissen möchte, und die Schwere dieser Stunde spürt man überdeutlich in allem, was der Künstler in diesem Meisterwerk, das um 1450 entstand, ausdrückt.

Im streng perspektivisch konzipierten Raum dieses Werks haben die einzelnen Personen eine gewaltige Ausdrucks­kraft, die allein schon durch ihre Positionen gewebt wird.


 



So sitzt zum Beispiel der gefühlvollen Dreiergruppe Petrus-Jesus-Johannes Judas isoliert gegenüber, und die Entwicklung dieses Abends scheint schon vollkommen festgelegt zu sein. Die perspektivische Darstellung jedenfalls lässt keinen Zweifel an der Entwicklung, und sie räumt Judas auch sichtlich keine Chance mehr ein, die Seite zu wechseln oder Reue zu zeigen.

Ähnlich interessant wie das Kunstwerk selbst ist auch die Geschichte dieses meisterhaften Freskos, das zu den beeindruckendsten seiner Art zählt. Erst 1860, als die Nonnen schon aus dem Kamaldulenserkloster Sant Apollonia ausgezogen waren, ent­deckte man das Fresko an der Refektoriumswand; eine historische und künstlerische Sensation in einer Zeit, in der die Kirche von schweren ideologischen Krisen geprägt wurde, so dass man diese bemerkenswerte Entwicklung nicht völlig genießen konnte.

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